Die Occupy-Bewegung und die wenig couragierte Zürcher Sektion

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Seit einigen Wochen hält die Occupy Wallstreet-Bewegung die Stadt New York in Atem und seit letzten Samstag hat sie sich auch weltweit in vielen Städten manifestiert. Weil sie bewusst keine Führungsgarde aufweist und sich parteiübergreifend versteht, können sich Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen mit ihr identifizieren. Als kleinsten gemeinsamen Nenner könnte man “Gegen die Gier” verstehen. Damit kann ich mich voll und ganz identifizieren. Schon seit einigen Jahre beschäftigen mich die Auswüchse der Finanzindustrie und oft bin ich fassungslos gegenüber der unbegrenzten Habgier meiner Spezies. Einzelne besser ausformulierte Positionen der Occupy-Bewegung sind dann auch klar auf der Piratenlinie: Die Verbandelung zwischen Wirtschaft und Politik und damit der Ruf nach mehr Transparenz.

Aus diesen Gründen habe ich es mir nicht nehmen lassen, am Samstag in Basel vor die BIZ zu gehen und mit meiner Präsenz meine Sympathie mit den Anliegen kundzutun.  Ich traf dabei auf verschiedenste Leute. Einerseits – logisch – politisch Aktive der antikapitalistischen Linken, dann aber auch Personen wie den deutschsprechenden H. aus dem nahen Frankreich. Seine letzte politische Aktivität war der Kampf gegen die neue deutsche Rechtschreibung und nun ist er hier dabei. Dann ein Bekannter, welcher ganz sicher nicht einer Partei oder Bewegung angehört und trotzdem kam, um seinem Unverständnis Ausdruck zu verleihen. So zog die Besetzung zwar nicht tausende aber immerhin hunderte an, quer durch alle Schichten.

Auch in Zürich war für Samstag ein Sit-In auf dem Paradeplatz angekündigt. Im Vergleich zu meiner eigenen Sympathie ist für mich die Reaktion der Zürcher Piraten darauf umso überraschender. Sie veröffentlichte im Vorfeld aus Angst der Vereinnahmung von linken Parteien eine Distanzierung auf ihrer Website. Offensichtlich wollte die JUSO nicht darauf verzichten, ihre Fahnen mitzubringen. Ich habe auch Mühe damit, aber halte die Reaktion der Piratenpartei Zürich für feige und unklug. Da sagt man lieber nichts dazu, anstatt eine Bewegung mit ähnlichen Positionen zu diskreditieren. Passend dazu findet sich dann auf Twitter eine Aussage eines Vorstandsmitglieds, welche zeigt, wie der Zürcher Vorstand wirklich tickt. So werden Demonstranten welche für ihre Überzeugung in der Kälte ausharren hämisch ausgelacht:

Ich finde die Kälte toll, Occupianer frieren und ich sitze zuhause in der Wärme.

Ist das also das wahre Gesicht der Piraten? Zwischen den vier warmen Wänden über Demonstranten herziehen, welche zähneklappernd nach Transparenz rufen? Ich bin enttäuscht.

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